Igel nach dem Winterschlaf

Wildtierrettung (Notkleintiere e.V.)

www.wildtierrettung.de

ARTGERECHT IST NUR DIE FREIHEIT

IGEL NACH DEM WINTERSCHLAF IN MENSCHLICHER OBHUT

Auswildern im Frühjahr erst wenn die Nachttemperaturen nicht mehr UNTER 8°C+ fallen.

Es gibt sonst noch keine ausreichende Nahrung (Insekten) und die Natur muss erst noch genügend Unterschlupfmöglichkeiten schaffen.

In der Regel erwachen Männchen zuerst aus dem Winterschlaf.

Nach dem Erwachen müssen sich Igel erstmal an die aktive Phase gewöhnen, zunächst brauchen sie Ruhe, die ersten Schritte nach dem wach werden sind langsam und wackelig, denn die Körpertemperatur steigt an, das Herz schlägt schneller und der mühsam angefutterte Winterspeck ist weg, ausreichend Nahrung finden die Insektenfresser noch nicht und ihr Körper ist ausgezerrt und mager.

Viele Herbstigel hatten garkeinen Winterschlaf weil sie aufgrund von Krankheit und Untergewicht nicht überwintern konnten und in menschlicher Obhut gepflegt wurden. Der Großteil ist nicht „zu spät geboren“ sondern waren krank und verwurmt weil sie keine geeignete Nahrung in ausreichender Menge finden konnten und letztendlich nur noch

Würmer und Schnecken aufgenommen haben. Diese sind die Zwischenwirte ihrer Innenparasiten.

 

KRANKE IGEL

Liegt ein (von Natur aus Dämmerungs- und Nachtaktiver) Igel ungeschützt in der Sonne oder läuft er wackelig umher benötigt er meistens Hilfe. Sein Schlafplatz kann gestört oder zerstört worden sein oder er ist krank, verletzt oder hat Parasiten. Der Igel braucht professionelle Hilfe und tierärztliche Behandlung. Es reicht hier nicht aus ihm Futter und Wasser anzubieten.

NAHRUNGSSUCHE UND PARTNERSUCHE

Das Igelchen braucht Flüssigkeit. Die Form der Wasseraufnahme spielt da keine große Rolle ob aus dem Bach, einer Pfütze oder aus dem Tau von Gräsern und Pflanzen.

Die Futtersuche wird wie oben erwähnt noch schwieriger, denn Igel haben kein Revierverhalten bei der Nahrungssuche und sind auch keine Jäger, sie sind Sammler, sprich sie suchen und finden Nahrung während der Dämmerung und der Nacht. Das Sehvermögen ist auch nicht sehr gut bei Igeln, dafür riecht und hört er exzellent und schafft es so seine wertvolle Nahrung zu finden.

Weite Strecken werden nun auf der Partner und Nahrungssuche zurückgelegt und somit ist die Gefahr sehr groß von einem Auto überfahren zu werden. Der normale angeborene Schutzmechanismus des Igel (einrollen und abwarten bis die Gefahr vorüber ist) hilft in dieser Situation leider kein bisschen. Im Gegenteil, es endet mit dem Tod oder schwersten Verletzungen. Lebensräume wurden von uns Menschen weitestgehend zerstört und verändert sowie von Straßen durchzogen und somit nicht mehr igelfreundlich.

 

GARTENARBEIT - FRÜHJAHRSPUTZ

Die nächste Gefahr ist nun der Mensch… der Frühjahrsputz im Garten.

Es wird angefangen zu schneiden, mähen, trimmen, saugen häckseln und harken.

Doch Vorsicht, es können sich noch Überwinterungsgäste in Deinem Garten verstecken die noch ihren Winterschlaf halten... Unsere heimischen Igel.

Durch Deine früh beginnende Gartenarbeit könnten sie gestört, geweckt oder gar verletzt werden. Alte Sträucher, sowie unter und vor Sträuchern werden entfernt und somit auch so mancher Unterschlupf für Igel. Reisig-Häufchen werden zusammengeharkt, gehäckselt und vielleicht sogar verbrannt… wer sich jemals verbrannt hat kann sich nur im Geringsten vorstellen welch Qualen ein Igel dabei erleidet…auch das lebendige zerhäckseln möchte man sich gar nicht vorstellen…

Aber auch Dein Rasentrimmer oder die Heckenschere können eine tödliche Waffe für die Igel werden. Schwere Verletzungen die zu einem qualvollen Tod führen…

Sogar kleine Arbeiten wie das Umsetzen des Komposthaufens indem in den Haufen hinein gestochen wird kann es den einen oder anderen Igel verletzen und als Bodennähe lebendes Tier ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sich seine Wunden infizieren werden. Wird es milder legen Fliegen ihre Eier in die infizierten Wunden und die flink schlüpfenden Maden fressen den Igel bei lebendigem Leibe.

Auch das zu frühe wecken der Igel durch die Gartenarbeit kann schwerwiegende Folgen haben, denn für die Igel muss die Natur ausreichend neue Unterschlüpfe bieten, es müssen reichlich Insekten vorhanden sein als Nahrung für die Insektenfressenden Igel und es ist auch für seinen mittlerweile mageren Körper der über den Winter von seiner Speckschicht lebte braucht Kraft für die ansteigende Körpertemperatur durch das wecken und dem schneller schlagendem Herzchen. Er kann sich noch nicht an die aktive Phase gewöhnen da es zu früh ist.

Wie wir sehen ist es nicht nur der Herbst wo zu leichte Igel Hilfe benötigen, nein auch im Frühjahr ist es lebensnotwendig dass wir mit Achtsamkeit erreichen können dass durch unser Handeln weniger Tiere zu unseren eigenen Opfern werden.

Natürlich ist die allerbeste Hilfe für unsere Igel wenn wir ihnen einen Lebensraum lassen oder sogar bereiten wo sie sich selbst ungefährdet Unterschlüpfe zum Zurückziehen suchen und wo sie sich satt fressen und ihre Jungen großziehen können.

Selbstverständlich gilt all dies nicht nur im Frühjahr sondern DAS GANZE GARTENJAHR ÜBER… Ihr seht selbst, Gefahren erkennen und abwenden ist auch Hilfe für unsere Igel.

 

REDUZIERUNG DER IGELNAHRUNG (und anderen Insektenfressern) IM GARTEN

Der Mensch und seine gedankenlosen Gewohnheit… es werden Pflanzen gepflanzt die von weit her kommen und dem Menschen „gefallen“ weil sie exotisch sind, weil sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen, weil sie gerade „In“ sind… Unsere heimischen Pflanzen, in vielen Augen so genanntes Unkraut wird ausgerottet und sogar chemisch bekämpft, was ein grober Fehler ist, denn unsere heimischen Pflanzen sind für unsere heimischen Insekten die „Kinderstube“ und somit Igelnahrung. Durch den Verlust fehlen Arten und somit eine Reduzierung der Nahrungsvielfalt für den Igel.

Die exotischen Pflanzen die der Mensch in seinen Garten pflanzt bieten unserer heimischen Insektenwelt leider weder Nahrung noch Kinderstube.

Dadurch wird Jahr für Jahr unsere Artenvielfalt in unserem Umfeld immer mehr verringert und verdrängt.

 

GIFT IM GARTEN – GIFT FÜR IGEL (und natürlich andere Insektenfresser)

Als nächstes folgt des Gärtners Helfer in der Not – die GIFTSPRITZE.

Es werden Biozide auf sogenannte Unkräuter und störende Pflanzen gesprüht, somit werden alle Nahrungstiere des Igels und weiterer Insektenfresser vernichtet.

Findet ein Igel vergiftete Insekten die eine leichte Beute für ihn sind belastet es dem Igel stark.

 

TODESFALLE GARTENTEICHE

Gartenteiche sind schön und beliebt, richtig angelegt ist er auch ein Paradies für Insekten und Vögel, Schmetterlinge und viel mehr...

Aber falsch angelegt wird er zur Todesfalle für den Igel wenn die Seiten steil angelegt sind und es keine Ausstiegshilfen gibt. Zwar können Igel schwimmen aber sie erschöpfen viel zu schnell und ertrinken qualvoll.