Ente brütet auf Balkon

Wie verhält man sich, wenn eine Ente auf dem Balkon brütet?
Es ist mittlerweile in deutschen Großstädten keine Seltenheit mehr, dass Stockenten auf Gebäuden immer öfter brüten.
Entenmütter mit ihren Küken müssen eingefangen und sicher zum Wasser gebracht werden, täglich kommen ca. 10 Anrufe deswegen aus Berlin rein. Es wäre allerdings ein bisschen viel verlangt, von den ehrenamtlichen Helfern zu erwarten, dass sie bei zehn Bruten gleichzeitig sind. Dass gerade an den Wochenenden die Küken schlüpfen, ist nicht selten der Fall.

Da sie nur zwischen 10 und 15 Gramm wiegen, bleiben sie beim Sprung nach unten überwiegend unversehrt, selbst aus dem 5. Stock. Dabei werden Schwimmhäute und Flügelchen ausgebreitet, und sie steigern das Tempo auf ihrem Weg nicht weiter, unabhängig von der Höhe des Brutplatzes.

Die eigentliche Gefahr lautert am Boden. Fernab vom Gewässer können sich die Enten für einen vermeintlich passenden Brutplatz entschieden haben. Sobald die Küken geschlüpft sind, müssen sie schnell zum nächsten Gewässer, denn nur dort gibt es die Insektenkost, die für die Küken in den ersten Tagen so essentiell ist. Auf der für sie weiten Strecke werden viele Küken überfahren. Ein Einfangen ist unerlässlich. Und es hat sich als erwiesen herausgestellt, dass dafür der günstigste Zeitpunkt vier bis acht Stunden nach dem Schlüpfen ist. Danach hat die Mutter häufig keine Ruhe und will die Küken zum Wasser geleiten. Erst recht in Großstädten, in denen Krähen gern ein Küken erbeuten, bekommt die Mama schnell Angst, sodass sie ihren Küken gar keine Zeit lässt, richtig trocken zu werden.

Einfangen… Die Mutter einzufangen bedeutet rasch und mutig
zuzupacken, dafür braucht man etwas Courage. Während die Jungen
unter ihr sitzen, ist der Abstand zur Mutter für einen selbst sehr gering.
Es wird der Augenblick kommen, da versucht sie nach dir zu
schnappen, und genau dann greift man zu und zwar von oben und hält
beide Flügel am Körper fest (siehe Bild). Die Mutter kommt in eine
Transportbox, in der sie für sich ist. Im Anschluss daran sammelt man
zügig alle Küken in eine getrennte Box ein. Hier besonders darauf
achten, dass die Box entsprechend gesichert ist, um zu verhindern,
dass durch zu große Gitteröffnungen oder Lücken die Köpfe der Küken
stecken bleiben können. Es ist von großer Bedeutung, beim Einfangen
keinen Fehler zu machen. Ist ein Fangversuch nämlich gescheitert und
die Mutter dadurch verstört, besteht die Möglichkeit, dass ein
wiederholter Versuch, so nah an sie ranzukommen, scheitert, da sie
euch kein zweites Mal so nah ran lässt. Aus diesem Grund ist es ratsam,
hier den Rat eines Fachmannes einzuholen oder im Idealfall sogar eines
erfahrenen Entenfängers. So oder so sollte man in jedem Fall
vorbereitet sein. Nicht unwichtig sind auch Warnwesten, die
bereitliegen sollten - es kommt anders, als man denkt, und die
Entenfamilie muss über die Straße geführt werden.
                                                                (Beispielfoto vom Halten einer Ente) 

Das Gewässer aussuchen… Gewässer, die
künstlich angelegt sind, sind in der Regel
ungeeignet durch zu hohe oder zu steile Kanten, da die Küken hier jämmerlich im Wasser untergehen würden. Ähnliche ungünstige Bedingungen bieten langsame Fließgewässer (kleine Bäche) durch z. B. sehr steile Ufer; hier ist es für die Küken schier unmöglich, hochzukommen.

Daher sind natürliche Ausstiege bzw. Ausstiegshilfen unabdingbar.

An Stellen, wo Küken von Nilgänsen verortet sind oder diese bebrüten, dürfen Entenfamilien NIE ausgesetzt werden. Erfahrungsgemäß verhalten sich Nilgänse anderen Nilgansküken und auch Entenküken gegenüber sehr aggressiv, und es ist nicht selten der Fall, dass sie diese dann sehr häufig töten. Wenn Nilgänse noch keine Küken haben,
jedoch im nahen Umfeld brüten und somit das Gewässer als ihr Brutrevier ansehen, bedeutet dies für Amateure eine schwer einschätzbare Situation, ob das jeweilige Gewässer auch wirklich geeignet ist.
Auf eine Neue im Revier reagieren Erpel in der Art, dass sie oftmals mit mindestens sechs Erpeln über diese herfallen und in der Folge zu Tode begatten.

Daher sollte tunlichst vermieden werden, Entenfamilien in der Nähe dort auszusetzen, wo sich eine Vielzahl von Erpeln bereits niedergelassen hat.

Um zu vermeiden, dass die Mutter sich von ihren Küken abwendet, sie im Stich und damit sich selbst überlässt, sollten Entenfamilien günstigerweise nahe des Brutplatzes in ein geeignetes Gewässer gesetzt werden.

Auch dann, wenn alles zunächst erfolgversprechend vonstatten geht.

Das Freilassen…

Damit die Mutter die Rufe der Küken auch weiterhin hören kann, ist die Transportbox der Mutter in kürzester Entfernung von der Transportbox der Küken zu halten.

Sollte sich eine andere Entenmutter mit gleichaltrigen Jungtieren am Gewässer befinden, ist auf einen Mindestabstand von 20 Metern zu achten, da sonst die Gefahr besteht, dass die Küken von der fremden Mutter getötet werden.

Die optimalen Bedingungen beim Freilassen sind ein geeignetes Gewässer sowie eine Uferseite, die durch
überhängende Bäume oder Schilf bedeckt ist.

Diesen Vorgang führt man am besten zu zweit durch. Eine Person lässt die Küken unmittelbar am Ufer frei, die andere Person einen Meter entfernt davon und maximal drei Sekunden später dann die Mutter.

Jedem Helfer ist eine Box zugeteilt, um die er sich kümmert.

Wichtig ist, darauf zu achten, dass sich die Helfer vom Vogelfang dabei aber nicht zwischen Küken und Mutter befinden.

In der Phase der Schlupfzeit ist der Balkon einer täglichen Kontrolle zu unterziehen.

Die Küken müssen innerhalb kürzester Zeit zum Gewässer.


Verhalten, wenn eine Ente auf dem Balkon brütet…

Auf eine weitestgehend ruhige Atmosphäre ohne Lärmquellen oder andere Störfaktoren achten. Während der Brutzeit sollte sich daher ausnahmsweise nicht all zu viel auf dem Balkon abspielen, da es ja nur knapp vier Wochen sind.

Außerdem ist diese Zeit doch auch was ganz Besonderes!
Bei sehr hohen Temperaturen kann man der Ente eine Schale mit Wasser auf den Balkon stellen.
Die Zeit, in der das Alttier gerade nicht bei seinen Jungtieren ist, kann man dazu nutzen, um kleine Lücken unterhalb/seitlich des Geländers abzudichten, z. B. ein langes Brett davor. Dies dient als Vorsorge der späteren Einfangaktion.